Sie suchen einen Arbeitsplatz, möchten sich beruflich neu orientieren oder sind unsicher, ob Sie eine Stelle in Frankreich oder auf der anderen Seite der Grenze annehmen sollen? Zum Herbst 2026 zeichnen die von den öffentlichen Arbeitsverwaltungen in Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Belgien und der Schweiz veröffentlichten Daten ein differenziertes Bild: Der Arbeitsmarkt verlangsamt sich insgesamt, doch in bestimmten Branchen werden weiterhin auf beiden Seiten der Grenze zahlreiche Arbeitskräfte gesucht.
In Frankreich und im Grand Est: Ein sich stabilisierender Arbeitsmarkt, aber weiterhin Engpässe bei wichtigen Berufen
Laut der im April veröffentlichten BMO-Umfrage („Besoins en Main-d’Œuvre“ – Arbeitskräftebedarf) 2026 von France Travail haben französische Arbeitgeber für dieses Jahr rund 2,28 Millionen Einstellungsprojekte gemeldet. Das entspricht einem Rückgang von 6,5 % gegenüber 2025. Damit fällt die Abschwächung nur halb so stark aus wie im Vorjahr. Eine gute Nachricht für Arbeitssuchende: Die Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen nehmen deutlich ab. 43,8 % der Einstellungsprojekte werden von den Arbeitgebern als schwierig eingestuft, gegenüber 50,1 % im Jahr 2025.
Das Grand Est bildet eine Ausnahme: Zusammen mit der Bretagne gehört die Region zu den Gebieten, in denen die Einstellungsabsichten am stabilsten bleiben. Der Rückgang beträgt lediglich -1,1 %, gegenüber -6,5 % auf nationaler Ebene.
Die Branchen mit den besten Beschäftigungsperspektiven 2026:
- Gesundheit, Soziales und personenbezogene Dienstleistungen: rund 320.000 Einstellungsprojekte. Die Branche gehört zu den wenigen, in denen die Nachfrage steigt (+0,4 %). Mehr als jedes zweite Projekt (54 %) gilt als schwer zu besetzen. Pflegekräfte, Krankenpfleger und Altenpfleger bzw. Betreuungskräfte gehören zu den besonders gefragten Profilen: Bis 2030 sollen in diesem Bereich 500.000 Stellen besetzt werden.
- Gastgewerbe und Gastronomie: rund 320.000 Einstellungsprojekte. Küchenhilfen und polyvalente Mitarbeiter gehören landesweit zu den am stärksten gesuchten Berufen (97.100 Projekte).
- Baugewerbe und Bauwesen: rund 143.000 Einstellungsprojekte, jedoch mit der höchsten Besetzungsschwierigkeit aller Branchen (65 %). Die Nachfrage wird insbesondere durch die energetische Sanierung und große Infrastrukturprojekte getragen.
- Industrie: Mit einem Rückgang von nur 2,4 % verzeichnet die Industrie den geringsten Rückgang unter den großen Branchen. Besonders stark wächst der Bedarf in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Energie und Abfallwirtschaft (+24,8 %). Schweißer, Instandhaltungstechniker und Kessel- bzw. Apparatebauer werden besonders gesucht.
Gut zu wissen: 41 % der Einstellungsprojekte im Jahr 2026 betreffen unbefristete Arbeitsverträge (CDI). In der Industrie liegt dieser Anteil sogar noch höher.
- Die detaillierten Ergebnisse nach Arbeitsmarktregionen im Grand Est (Thionville, Forbach, Sarreguemines, Straßburg, Mulhouse, Saint-Louis, Longwy …) können auf statistiques.francetravail.org/bmo eingesehen werden.
In Luxemburg: 20 „Mangelberufe“ im Jahr 2026
Die ADEM hat Ende März ihre Liste der „Mangelberufe“ 2026 (Referenzjahr 2025) veröffentlicht, die im Amtsblatt veröffentlicht wurde. Sie umfasst nun 20 Berufe, gegenüber 22 im Jahr 2025, 24 im Jahr 2024 und 30 im Jahr 2023.
Besonders gute Beschäftigungsperspektiven gibt es weiterhin in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Gastronomie sowie in bestimmten spezialisierten Verwaltungs- und Finanzberufen. Zu den besonders stark nachgefragten Mangelberufen gehören Erzieher für Kleinkinder, Krankenpfleger und Köche sowie hoch spezialisierte Finanzprofile wie Fondsbuchhalter oder Interne Revisoren.
Neu auf der Liste 2026 sind unter anderem mehrere Berufe aus dem Bereich Bauwesen und Ausbaugewerbe (Dachdecker und Dachsanierung), der Industrie (Management und industrielle Qualitätstechnik) sowie der Installation und Wartung von Industrieanlagen.
Umgekehrt wurden Buchhalter, Controller und Organisationsberater von der Liste gestrichen. Diese Berufe bleiben zwar weiterhin gefragt, das Ungleichgewicht zwischen offenen Stellen und verfügbaren Bewerbern hat sich jedoch verringert.
Auf Seiten der Arbeitssuchenden ist hingegen eine Entwicklung in bestimmten tertiären Branchen zu beachten: Laut STATEC gibt es Anfang 2026 in den Bereichen Sekretariat/Verwaltung, Buchhaltung und IT mehr Arbeitssuchende als offene Stellen. Dabei handelt es sich um Branchen, die im Großherzogtum früher besonders gute Beschäftigungsperspektiven boten.
In Deutschland: Der Fachkräftemangel bleibt groß
Trotz der schwachen Konjunktur herrscht in Deutschland weiterhin ein struktureller Mangel an Fachkräften. Die jährliche Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit weist rund 163 Engpassberufe aus. Die Zahl der offenen Stellen im Land wird auf mehr als eine Million geschätzt.
Besonders gefragte Branchen:
- Gesundheit und Pflege: Krankenpfleger, Pflegefachkräfte, Ärzte – der Bedarf ist strukturell und betrifft unmittelbar die Grenzregionen (Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg).
- Technische Berufe und qualifiziertes Handwerk: Elektriker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Berufe im Baugewerbe.
- IT: Softwareentwicklung, Cloud und Cybersicherheit. IT-Spezialisten können unter bestimmten Voraussetzungen sogar ohne formalen Hochschulabschluss eine EU-Blaue Karte erhalten, wenn sie über entsprechende Berufserfahrung verfügen.
- Ingenieurwesen, Transport und Logistik.
Für französische Grenzgänger bleibt die Beherrschung der deutschen Sprache ein entscheidender Faktor: Der Bedarf ist vorhanden, doch deutsche Arbeitgeber verlangen in der überwiegenden Mehrheit der Fälle ausreichende bzw. beruflich anwendbare Deutschkenntnisse. Auch die Anerkennung von Abschlüssen, insbesondere im Gesundheitsbereich, sollte rechtzeitig geprüft werden.
In Belgien: 144 Mangelberufe in Wallonien
Le Forem hat am 1. Juli 2026 seine neue Liste der Mangelberufe veröffentlicht: In Wallonien sind 144 Berufe betroffen, darunter 69 neue Tätigkeitsprofile. Achtung: Die Methodik wurde in diesem Jahr geändert. Die Analyse basiert nun auf der wallonischen Erhebung zum Arbeitskräftebedarf und einem neuen „Kritikalitätsindex“. Vergleiche mit 2025 sind daher nur eingeschränkt möglich.
Das Baugewerbe bleibt der am stärksten betroffene Bereich mit 38 Mangelberufen (Maurer, Dachdecker, Heizungsinstallateure, Elektriker, Bauleiter, Architekten und Berufe im Bereich der energetischen Sanierung). Es folgen die technologische Industrie sowie Gesundheit und soziale Dienste mit jeweils 19 Mangelberufen.
Die Liste der Berufe mit dem höchsten Kritikalitätsgrad zeigt diese doppelte Dominanz von Pflege und Bau besonders deutlich: Haushaltshilfen, Apotheker, Dachdecker, pharmazeutisch-technische Assistenten, Familienhelfer, Busfahrer, Sicherheitsmitarbeiter, Pflegehelfer, Maurer und Krankenpfleger gehören zu den besonders kritischen Berufen.
In Brüssel führt Actiris seinerseits 103 kritische Berufe auf – von Gastronomie und Hotellerie über Versicherungen bis hin zu technischen Berufen und dem Baugewerbe.
Für die Bewohner der Ardennen, der Maas und des Departements Meurthe-et-Moselle sind diese Listen ein guter Indikator für die Beschäftigungsmöglichkeiten auf der belgischen Seite der Grenze. Denn die Einstufung als Mangelberuf kann Arbeitssuchenden in Belgien den Zugang zu bestimmten Weiterbildungs- oder Fördermaßnahmen ermöglichen.
Fazit
Von einem Ende der Großregion bis zum gesamten Grenzraum zeichnen sich zwei wesentliche Gemeinsamkeiten ab:
- Berufe im Pflege- und Betreuungsbereich (Krankenpfleger, Pflegehelfer, Haushaltshilfen, Erzieher) sind überall Mangelberufe – in Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Belgien und der Schweiz. Die alternde Bevölkerung macht diese Berufe weitgehend „krisensicher“. Allerdings unterscheiden sich die Zugangsvoraussetzungen je nach Land (insbesondere Sprachkenntnisse in Deutschland und Luxemburg, Anerkennung von Abschlüssen und Berufszulassung).
- Das Baugewerbe und technische Berufe (Dachdecker, Elektriker, Heizungsinstallateure, industrielle Instandhaltung, Bauleitung) stehen ebenfalls in allen Engpasslisten. Ein wesentlicher Treiber ist insbesondere die energetische Sanierung.
Im Gegensatz dazu nimmt der Fachkräfteengpass bei Verwaltungs- und Buchhaltungsberufen sowie bei einem Teil der IT-Berufe in mehreren Arbeitsmärkten (Luxemburg, Schweiz) ab – unter dem Einfluss der konjunkturellen Entwicklung und der zunehmenden Automatisierung.
Bevor Sie sich auf der anderen Seite der Grenze bewerben, sollten Sie prüfen, welche Auswirkungen Ihre Situation auf Sozialversicherung, Steuern und Arbeitslosenversicherung hat. Wir sind für Ihre Fragen da!